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Touren

Aostatal: Manchmal ist weniger mehr!

 Touren, Reisereportagen

Korsika, Slowenien oder doch ab ins Tessin? Konstant niedrige Wasserstände machten es den europäischen Paddlern dieses Jahr schwer den richtigen Spot für den Osterurlaub zu finden. Alex Rodegro und Thilo Wietzke hatten erst Pech und dann doch den richtigen Riecher. Wasser gab's im Aostatal!

Korsika, Slowenien oder doch ab ins Tessin? Die konstant niedrigen Wasserstände machten es den europäischen Paddlern dieses Jahr ziemlich schwer den richtigen Spot für ihren Oster-Trip zu finden. Alex und Thilo hatten erst Pech und dann doch den richtigen
Thilo Wietzke an der Eingangsstufe der Egua.
Foto: Alex Rodegro

Die Verletzungen des vergangenen Winters sind auskuriert als die ersten vielversprechenden Befahrungsberichte aus dem Tessin vor kurzem Duisburg erreichen. Der zehntägige Osterurlaub steht fix am Plan, daher wittern wir die optimalen Voraussetzungen, um die Boote aufs Dach zu schnallen und die Gegend rund um den Lago Maggiore im Kajak unsicher zu machen. So zumindest die Theorie! Einmal angekommen ergeht es uns wie vielen anderen paddelhungrigen Nomaden: Alles trocken im Tessin! Die guten Wasserstände, die noch zu Monatsbeginn gemeldet wurden, sind abgelaufen. Was nun? Einen Tag lang checken wir mehr oder weniger alle Flüsse im Tessin und fahren schließlich weiter ins Piemont zur Sesia. Hier ist das Bild ähnlich ernüchternd: Sesia und Egua bieten lediglich Niedrigwasser. Ebenso wie die Sermenza, die wieder unter einen fahrbaren Pegel gesunken ist. Als erste Überlegungen aufkeimen, weite Autofahrten nach Korsika oder an die Soca in Kauf zu nehmen, befahren wir völlig verzweifelt Teilabschnitte der Egua und der Sesia. Kurios dabei: Die Sesia-Schlucht kurz vor Balmuccia führt für eine durchgehende Befahrung immer noch zu viel Wasser. Aber immerhin, wir sitzen im Boot und sind wieder voll vom Paddelvirus befallen.

Korsika, Slowenien oder doch ab ins Tessin? Die konstant niedrigen Wasserstände machten es den europäischen Paddlern dieses Jahr ziemlich schwer den richtigen Spot für ihren Oster-Trip zu finden. Alex und Thilo hatten erst Pech und dann doch den richtigen
Kalifornien-Feeling im Aostatal.
Foto: Thilo Wietzke

Nach einer erholsamen Nacht bringt der nächste Tag den lang ersehnten Hoffnungsschimmer: Ein Belgier berichtet, dass ein Seitenbach im Aostatal genug Wasser führt. Mehr noch, er hat die Nummer von Severin Häberling, der dort gerade mit ein paar Freunden unterwegs sein soll. Teuren Roaming-Gebühren zum Trotz tippen wir die Nummer ins Telefon und Alex verkündet kurz darauf schmunzelnd: »Wir haben ein neues Ziel - die Ayasse!«


Am Nachmittag trauen wir unseren Augen nicht. Wasser! Der Belgier hat nicht zuviel versprochen. Uns erwartet eine traumhafte Schlucht mit einem sehr steilen Klammabschnitt. Wir scouten schnell die passenden Linien und steigen gerade noch rechtzeitig für einen abendlichen Run in unsere Boote. Erst das Einschlafen vertreibt das breite Grinsen an diesem Abend wieder aus unseren Gesichtern.

Korsika, Slowenien oder doch ab ins Tessin? Die konstant niedrigen Wasserstände machten es den europäischen Paddlern dieses Jahr ziemlich schwer den richtigen Spot für ihren Oster-Trip zu finden. Alex und Thilo hatten erst Pech und dann doch den richtigen
Möglichst klein machen für den Aufprall.
Foto: Thilo Wietzke

Der Flussabschnitt startet mit einer Rutsche, die nach einem kurzen Pool in einer rückläufigen Stufe mit Kicker endet. Auch die kommenden Stellen verputzen einige Höhenmeter und laufen in eine Klamm deren Einstiegstelle ein Wasserfall von geschätzten zwölf Metern bildet. Die darauffolgenden Stufen sind nur unmerklich niedriger und können nicht umtragen werden. Schwimmen ist hier verboten!

 

Unsere Befahrungen laufen glatt und selbst der beschwerliche Aufstieg zum Parkplatz wird ohne Murren bewältigt. In den kommenden zwei Tagen befahren wir den unteren Flussabschnitt noch einige Male und bekommen dabei unter anderem von einigen »Young Guns« aus dem Raum München Gesellschaft. Mit über 15 Paddlern ist der Zeltplatz gut ausgelastet. Der Geheimtipp hat sich offenbar schnell herumgesprochen.

Korsika, Slowenien oder doch ab ins Tessin? Die konstant niedrigen Wasserstände machten es den europäischen Paddlern dieses Jahr ziemlich schwer den richtigen Spot für ihren Oster-Trip zu finden. Alex und Thilo hatten erst Pech und dann doch den richtigen
Der »Korkenzieher« auf dem oberen Abschnitt.
Foto: Thilo Wietzke

Da Severin den Fluss schon kennt und zudem auch noch einen Tag vor uns angereist ist, erkundet er mit einigen Jungs den Oberlauf. Die darauffolgenden Berichte von weiteren Wasserfällen, langen Rutschen und gut fahrbarem Wildwasser heizen die Stimmung in der Gruppe an. Den folgenden Tag verbringen auch wir auf dem oberen Abschnitt, wo unsere Erwartungen zu hundert Prozent erfüllt werden. Mal wieder kommen alle von Endorphinen geflutet und mit einem Lächeln im Gesicht zurück ins Camp.

 

Erste Ermüdungserscheinungen (und der direkt an unser Camp angrenzende Jahrmarkt) veranlassen uns schließlich am kommenden Tag den weiten Weg in Richtung Heimat anzutreten. Auf der Rückfahrt können wir noch die untere Verzasca bei einem passablen Pegel mitnehmen. Alles in allem ein guter Start ins Paddeljahr und für uns steht nun definitiv fest: »Manchmal ist weniger mehr!«