Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Test & Technik

Kaufberatung Doppelpaddel

14. Februar 2008 von Norbert Erdmann

Vortrieb durch Technik

Wie lang sollte ein Paddel sein? Welche Schränkung ist die richtige? Sind Carbonpaddel so viel besser wie sie teurer sind? Und werden teilbare Paddel nur für Faltbootfahrer gebaut? Die Suche nach dem perfekten Paddel ist ebenso komplex wie die Wahl des richtigen Kajaks und lässt sich nicht mit einer einfachen Faustformel berechnen.

Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
Die Zahl der Tourenpaddel auf dem Markt ist dreistellig. KANU hat besonders empfehlenswerte Exemplare zum Probepaddeln gewassert.
Foto: Michael Neumann

Im Juni 2007 rief KANU zur alljährlichen Gedächtnisfahrt auf die Bregenzer Ache, die einst zum Stammrepertoire vieler Paddler gehörte, bevor der Fluss der Energiegewinnung geopfert und fast trockengelegt wurde. Die Strommacher drehten für einen Tag die Schotten auf und in den braunen Fluten der Ache wurden auch manche Paddel von ihrer Kellerpatina befreit: um 90 Grad verdrehte Dreipfünder mit Namen Akrobat, Alpin oder Fantastic. So mancher altgediente Gattino-Kapitän oder K5-Eigner tauschte spaßeshalber mit einem Jungpaddler das Paddel, worauf sich das Gesicht des einen erhellte und das des anderen verfinsterte, bis Letzterer auf baldigen Rücktausch drängte. Beide sahen fortan ihr Paddel mit anderen Augen. Ähnlich könnte es Ihnen nach der Lektüre dieser Kaufberatung gehen ... Die Bestimmung der »richtigen« Länge ist die wichtigste und gleichzeitig komplexeste Frage beim Paddelkauf. Da sehr individuelle Faktoren eine Rolle spielen, wie Kraft und Paddelstil (steil oder flach), ist ein Praxistest mit verschiedenen Längen und Blattformen in Kombination mit dem eigenen Kajak viel aufschlussreicher als jede Tabelle.

Lang, länger, am längsten?

Der Druck, den man am Paddel spürt, hängt nicht nur von dessen Länge ab, sondern auch von der Blattgröße. Ein 230-cm-Paddel mit schmalen Blättern (Werner Little Dipper, Lettmann Liberty) hat den gleichen Widerstand wie ein 15 cm kürzeres mit großen Blättern (wie Prijon Stream, Kober Lago). Ein Beispiel: Für das Tempo eines kompakten Wanderkajaks (unter vier Meter, aber 70 cm breit für bessere Anfangsstabilität) reicht der Druck eines 215 cm langen Paddels mit großen Blättern aus und führt zu einer angenehmen Schlagzahl. Leider zwingt es zu einer unnötig steilen Paddelführung, will man sich nicht die Daumen am breiten Rumpf anhauen. Nimmt man das gleiche großflächige Paddel 15 cm länger, kann man flacher paddeln, hat aber zu viel Druck auf dem Blatt. Also wählt man ein ebenso langes Paddel (230 cm), aber mit langen, schmalen Blättern und schon hat man die perfekte Paddel­länge für dieses Boot gefunden – und nimmt im Vorbei­gehen noch einen weiteren Vorteil mit: Paddel mit solchen Blättern sind auch weniger windanfällig, da sie in einem flacheren Winkel näher an der Wasser­oberfläche geführt werden können, wo der Wind schwächer ist als auf Kopfhöhe. Ein anderes Beispiel: Die Breite und vor allem die tiefe Sitzposition von Zweierkajaks machte der Besatzung früher gern zu schaffen. Man sah sie ihre Paddel hoch durch die Luft wirbeln, was irgendwie an Don Quixote beim Kampf mit den Windmühlen erinnerte. Aber auch Zweierpaddler haben mittlerweile den »flachen« Paddelstil entdeckt. Sie erhöhen hierfür ihre Sitze und verwenden Paddel mit bis zu 250 cm Länge und schmalen Blättern. Und: Ungleich starke Partner können im Zweier für ausgeglichenen Kraftaufwand sorgen, indem sie Paddel mit unterschiedlich großen Blättern wählen (nicht von unterschiedlicher Länge!).

Powerpaddel für Kraftmeier

Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
Welches Paddel hätten's denn gern? KANU beim Praxistest.
Foto: Michael Neumann

Er fährt »steil«, führt sein Paddel dicht an der Bordwand, um das Schlingern des Bootes zu minimieren und maximalen Vortrieb zu erzeugen. Er will eine bestimmte Strecke so schnell wie möglich bewältigen und benutzt hierfür ein kurzes Paddel mit großen, stark gekehlten Blättern, die er mit hoher Frequenz und hohem Druck durchs Wasser zieht (Kober Lago CG, Mergner Spoon X, Werner Ikelos). Beliebte Paddellängen in Verbindung mit einem schnellen (und schmalen) Seekajak oder Marathonboot liegen zwischen 212 cm und 220 cm. Auch im Wildwasser wird die steile Technik angewendet. Ziehschläge erfordern kurze Paddel, um nicht zu tief einzutauchen bzw. das Paddel zu hoch halten zu müssen. Mit den Booten sind über die Jahre auch die Paddel immer mehr geschrumpft und beide werden heute schon ab einer Länge von 180 cm angeboten. Freestylepaddel sind selten länge­r als 196 cm, für seriöses Wild- und Wuchtwasserfahren können ein paar Zentimeter mehr nicht schaden.

Stichwort Varioteilung

Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
Flächengleich: asymmetrische Blätter.
Foto: Werner Paddles

Eine fixe Paddellänge ist wie ein Fahrrad ohne Gangschaltung. Ambitionierte Wander- und Seekajakfahrer, die sich nicht auf eine bestimmte »Übersetzung« beschränken, können mit einem teilbaren Paddel auf wechselnde (Wind-)bedingungen reagieren. Die Teilbarkeit, die ursprünglich nur dem leichteren Transport und der Lagerung diente (Faltbootpaddel waren früher bis 3 Meter lang und für den Bahntransport viel zu sperrig), ist heute nämlich um einig­e weitere Funktionen reicher: So bieten moderne Vario-teilungen eine freie Wahl der Drehung und eine stufenlose Längenverstellung von bis zu 15 cm. Bei Gegenwind wird das Paddel einige Zentimete­r zusammengeschoben, also ein größerer Gang gewählt. Dazu wird die Drehung verstärkt, um den Windwiderstand zu reduzieren. Bei Rückenwind wird es auf maximale Länge ausgezogen und – ganz ausgebufft – auf Nulldrehung gestellt, damit der Wind an dem in der Luft befindlichen Blatt mitschieben kann. Am besten wählt man das Vario-Paddel so, dass sich die am häufigsten benötigte Länge in Mittelstellung befindet (für ein See­kajak ca. 220 cm) und nach beiden Seiten gleich viel Weg zum Verlängern bzw. Verkürzen bleibt. Bei den meisten Vario-Teilungen muss für die Verstellung das Paddel weder getrennt, noch ein Werkzeug bemüht werden (Ausnahme: Lettmann, TNP). Aber Obacht: Teilungen mit Innenhülse sind die schwächste Stelle des Schafts und können bei zu starker Biegebelastung (Paddelbrücke etc.) breche­n. Außenliegende Teilungshülsen halten dagegen mehr aus als der übrige Schaft, da sie den grö­ßeren Querschnitt haben. Trotzdem können sie bei der Paddelbrücke einen Schwachpunkt darstellen, da sie steifer als der Restflex vom Schaft sind. Moderne Teilungen sind sehr präzise gefertigt, mit wenig bis gar keinem Kippspiel. Allerdings sind genaue Passungen anfällig für Festfressen durch Sand, Salz oder Verkantung. Besonders Teilungen aus Aluminium müssen vor dem Zusammenstecken sauber sein und ab und zu mit Silikonfett geschmiert werden. Glas- und Carbonhülsen sind zwar selbstschmierend, Sandkörner zwischen Hülse und Schaft können die Teilung aber beeinträchtigen.

Minimales Gewicht über alles?

Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
Länge, Robustheit und Gewicht spielen beim Paddel(n) eine große Rolle.
Foto: Michael Neumann

Das Gewicht ist nach der richtigen Länge und einer ausreichenden Robustheit für den jeweiligen Zweck das drittwichtigste Auswahlkriterium für ein Paddel. Dieser Aspekt wird jedoch oft überbewertet und artet leicht in Gewichts­fetischismus aus. Ein superleichtes Carbonpaddel ist für den Tourenpaddler eine feine Sache, aber für die Katz, wenn Blattgröße und Länge nicht zu seiner Kraft und seinem Boot passen. Der Creekboater, dem auf einem steinigen Sturzbach beim ersten Felskontakt das Blatt seines zarten Slalom-Wettkampfpaddels zerbröselt, hat ein Problem, das er mit einem schwereren, aber solideren Paddel (Kober Control, Mergner Flow, AT 4 Play) schon bei der Auswahl hätte vermeiden können. Geringes Paddelgewicht hat natürlich seine Vorzüge, besonders für den Tourenpaddler, der sein Antriebswerkzeug viele Stunden in der Hand hält. Je leichter das Paddel (Kober Baltic, Lettmann Libert­y, Mergner Spoon, Werner Kalliste), desto weniger Kraft geht verloren für das bloße Halten und desto mehr Energie bleibt für den Vortrieb übrig. Fortgeschrittene Wildwasserfahrer schätzen leichte Paddel aus einem anderen Grund: Je leichter das Werkzeug, desto feinfühliger die Arbeit. Das gilt auch für Spielbootfahrer, die mit dem Paddel nach kleinen Unterströmungen tasten, um sie für den nächsten Move zu nutzen; die geringe Schwungmasse eines leichten Paddels ermöglicht blitzschnelle Reaktionen und dünne Blätter lassen sich im Wasser leichter in eine andere Position ziehen als dicke Schaufeln.

Diese Sensibilität muss ein Anfänger erst entwickeln. Er hat zunächst andere Sorgen und nimmt besser ein robustes Paddel mit ordentlich Fläche und ein paar Zentimetern mehr Länge, um trotz noch nicht so perfekter Technik ausreichende Wirkung und schnelle Erfolge zu erzielen. Erfahrene Kajaklehrer halten superleichte Carbonpaddel in der Hand von Anfängern sogar für paddelpädagogischen Unfug: Die Stifte sollen erst ihre Armmuskulatur aufbauen und es wäre Zeitverschwendung, dafür ins Fitness-Studio zu gehen und Hanteln zu stemmen, wenn sie mit einem schweren Paddel diesen Trainingseffekt auch auf dem Bach haben können ;-) Leichte Paddel in reiner Kohlefaser-Bauweise sind zwar wunderbar leicht und steif, die mechanische Belastbarkeit ist aber vergleichsweise gering. Daher werden für den harten Wildwassereinsatz Mischgewebe aus Kohle- und Kevlarfasern verwendet, die höhere Biege- und Schlagbelastungen vertragen. Die Schäfte werden nicht nur gewickelt, sondern auf ausgeklügelte Weise geflochten. Die Blätter selbst bestehen aus unzähligen, hauchdünnen Gewebelagen. Der Material- und Ver­ar­bei­tungsaufwand ist am größten, wenn höchste Fes­tigkeit mit geringem Gewicht vereint werden soll und drückt sich unmissverständlich im Preis aus. Aber auch solche High-End-Paddel sind nicht unkaputtbar. Unsachgemäßer Gebrauch ( Paddel beim Anlegen ans Ufer werfen, abschwimmen lassen, auf Dachträger festzurren) führt zu punktuellen Einkerbungen auf Blatt­fläche oder Schaft, die kaum sichtbar sind. Bei einer späteren Belastungsspitze kann es aufgrund solcher »Vorschädigungen« plötzlich und unerwartet zum Bruch kommen.

Reaktionäre Schränkung

Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
Wer die Wahl hat ...
Foto: Michael Neumann

Früher kannte man nur »gedrehte« und »ungedrehte« Paddel – also entweder 90°- oder 0°-Verschränkung der Blätter zueinander. Nur eine Minderheit unter den Wanderfahrern war »ungedreht« unterwegs. Ein Wildwasserfahrer hingegen, der es wagte, die Heilige Kuh des rechten Winkels anzutasten, galt als Querulant und unsportlicher Sonderling. Jahrzehntelang kam niemand auf die Idee, Ursprung und Sinn dieses Dogmas in Frage zu stellen. Vermutlich wurde die 90°-Drehung von Flachwasser-Rennpaddlern postuliert, denen diese starke Verdrehung ein paar Hundertstelsekunden einbrachte, weil das nach vorn geführte Blatt mit der Schmalkante durch den Gegenwind (oder den eigenen Fahrtwind) schneidet. Da Leistungssportler in früheren Jahrzehnten noch eine größere Idolfunktion für die gesamte Paddlergilde hatten als heute, eiferten ihnen auch Wildwasserfahrer nach, die jedoch mit Fahrtwind wohl das geringste Problem haben. Als Belohnung für das unsinnige, starke Abknicken und Strecken des rechten Handgelenks winkte dem genussorientierten Privatpaddler kein Platz auf einem Siegertreppchen, sondern höchstens eine saftige Sehnenscheidenentzündung (Tendonitis) und offene Blasen. Altgediente 90°-Kämpen erkennt man sofort an einem ausgeprägten Hornhautwulst an der Daumenwurzel ihrer »Führungshand«, auch dann noch, wenn sie den Pfad der Selbstkasteiung längst verlassen haben. Das Festhalten an diesem Kollektiv­irrtum gilt heute fast als reaktionär und wird nur noch von Kameraden propagiert, die nicht nur gern auf Flüssen und Seen unterwegs sind, sondern auch in der Vergangenheit.

Entspannung ab 45 Grad

Die Keimzelle des Fortschritts in Sachen Paddelschränkung lag in West Virginia. In der dortigen Squirterszene erkannte man Anfang der Achtziger Jahre die Vorteile einer reduzierten Verdrehung der Blätter: Ab einer Drehung von 30° und weniger können beide Hände stets geschlossen bleiben. Dies spart eine Menge Kraft, vermindert die Verletzungsgefahr und erhöht die Fahrsicherheit, da beim Seiten­wechsel der linke Griff nicht mehr gelockert werden muss. Heute sind 30° und 45° die gebräuchlichsten Schränkungen. Bei teilbaren Touren­paddeln kommt oft noch eine 75°-Stellung dazu, da häufiger in den Wind gepaddelt werden muss. Als klein­e Faustformel gilt jedoch: Je länger das Paddel, desto geringer sollte die Schränkung sein. Sehr lange Paddel für Zweierkajaks (240-260 cm) fahren sich am entspanntesten mit Nulldrehung. Manchen Paddler quält die Vorstellung, die Umgewöhnung von einer vertrauten Schränkung auf eine andere würde Jahre dauern und käme einer Gehirnwäsche gleich. Falsch: Selbst die Umgewöhnung von 90° auf 30° dauert keine Viertelstunde. Praktisch niemand weint seinem alten Paddel nach, sobald er in den Genuss eines kaum verschränkten Paddels kam. Eine große Hilfe nicht nur beim Wechsel der Paddeldrehung ist eine deutliche und beidseitige Ovalisierung des Paddelschafts im Griffbereich, die eine automatische Kontrolle der richtigen Blattstellung bietet. Das ist im Wildwasser Gold wert, besonders zur blinden Orientierung unter Wasser beim Ansetzen zur Eskimorolle.

Von Suppenlöffeln und Pizzablechen

Blätter mit starker Kehlung auf der Vorderseite (das ist die in Fahrtrichtung gesehen hintere) erzeugen bei gleicher Fläche mehr Zug als gerade Blätter, biete­n aber weniger Widerstand bei Konterschlägen. Das kümmert den Wanderpaddler allerdings wenig, da er sein Paddel praktisch nur zum Vorwärtsfahren braucht. Blätter von Seekajakpaddeln sind lang und schmal, um die »flache« und damit weni­g windanfällige Paddeltechnik zu erleichtern. Um dennoch ausreichend Wasserdruck aufs Blatt zu bekommen, sind sie in Längs- und Querrichtung gekehlt. Beim Wildwasserfahren, besonders beim Playboaten, wird fast ebenso oft gekontert wie vorwärts gepaddelt. Dem wird Rechnung getragen durch Blätter mit Riesenflächen und schwacher Kehlung, die einen hohen Widerstand in beiden Zugrichtungen bieten und weniger zum Verschneiden tendieren. Allen modernen Paddeln gemein ist dagegen die asymmetrische Blattform. Während noch vor wenigen Jahren viele Paddel mit symmetrischem Shape daherkamen – erinnert sich noch jemand an das Schlegel Alpin, bei dem sogar Blattvorder- und Blatthinterseite symmetrisch waren? –, gehört es heute zum guten Ton, dass die obere Blattkante länger als die untere ist. Sinn und Zweck der Asymmetrie ist es, den Druck beim Durchziehen des Blattes zu gleichen Teilen links und rechts des Schaftes zu verteilen. Taucht man dagegen ein symmetrisches Blatt im 45-Grad-Winkel (normaler Vorwärtsschlag) ein, wandert der Schwerpunkt aus der Blattmitte und es treten Scherkräfte auf, die einen dazu zwingen, besonders fest zuzupacken. Ein weiterer Vorteil der Asys ist, dass beim Eintauchen schon mit der Blatt­spitze viel Fläche ins Wasser gebracht wird, was der Vortriebspower entgegenkommt. Übrigens: Wer ein asymmetrisches Paddel falschrum hält, ist ein Ignorant.

PVC, PU oder Nylon?

Für welches Material man sich entscheidet, ist eine Frage der persönlichen Anforderungen und Ansprüche an das Gewicht, die Robustheit und die Steifigkeit des Paddels. Je mehr von diesen Eigenschaften vereint werden sollen, desto teurer werden die Rohstoffe und desto größer ist der Zeitaufwand, sie zu verarbeiten und in Form zu bringen. »Badebootpaddel« aus Hart-PVC sind leicht und sogar einigermaßen steif, halten jedoch nur geringe mechanische Belastungen aus und eignen sich nicht für den Kanusport. Das Material ist spröde und bricht bei relativ geringen Schlägen oder Verbiegung. Das Gleiche gilt für deren dünn­wandige Alurohre. Ideal für Anfänger sind Paddelblätter aus zäh-elastischem PU-Schaum, die im RIM-Verfahren (Reaction Injection Moulding) in eine Form gespritzt werden. Sie stecken Schläge ein, ohne zu platzen und verbiegen sich erst, bevor sie brechen. Allerdings sind sie schwer, dickwandig und weich. Eine Klasse besser sind Paddel aus verflüssigtem Poly­amid (= Nylon), das zusammen mit Glas- oder Kohlefasern unter enorm hohem Druck in einer Hohlform zu leichten, steifen, dünnen und stabilen Paddelblättern gefertigt wird.

Hart wie Damaszenerstahl

Es geht noch besser: Im Schichtaufbau werden viele dünne Lagen (bis zu 10 pro mm Dicke) Glas-, Kevlar- oder Kohlegewebe mit Harz getränkt und in eine Form gepresst. Das Resultat sind Paddelblätter mit einer hohen Bruch- und Schlagfestigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht. Es ist wie mit Damaszenerstahl: Je mehr und je dünnere Lagen man verarbeitet, desto fester und zäher wird das Stück. Und umso teurer! Holz wird als Baumaterial für Paddel gern unterschätzt. Dabei sind die mechanischen Eigenschaften bestimmter Holzsorten unübertrefflich und in Kunststoff nur schwer nachzuahmen. Astfreie Eschen-Rundstäbe lassen sich viel weiter durchbiegen, ohn­e zu brechen, als Aluminium- oder Kohlefaserrohre von gleichem Durchmesser. Hochwertige Holzpaddel sind nicht aus Vollholz, sondern aus mehrfach verleimtem Schichtholz gefertigt, was die Bruch­festigkeit immens steigert. Bei Tourenpaddlern erfreue­n sich Holzpaddel wegen der »Wärme« und der gelenkschonenden Flexibilität des Schafts ungebrochener Beliebtheit und werden wegen ihrer dekorativ­en Optik oftmals nicht in der Garage, sondern an der Wohnzimmerwand gelagert. Bevorzugtes Material beim Schaft ist Glasfaser, die es industriell gewickelt als Meterware gibt. Egal welcher Hersteller – die Qualität solcher Schäfte ist dank der genor­m­ten und überwachten Herstellung über alle Zweifel erhaben. Selten trifft man im Consumer-Bereich dagegen auch die ebenfalls industriell hergestellten Kevlar-Carbon-Schäfte. Sie sind zwar noch leichter als jene aus Glas, meist aber bocksteif und empfindlich für Schläge, so dass daran primär Slalom­fahr­er auf der Jagd nach dem Se­kunden­bruchteil ihre Freude haben. Schäfte aus Alu, mit einem Schrumpfschlauch griffig und geschmeidig gemach­t, trifft man allenfalls im untere­n Preissegment. Hier erfüllen sie ihren Zweck, mehr aber auch nicht.

Mehr zum Thema Paddel

Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
14.02.2008

Teilzeit – Variohülsen im Überblick

Die Konstruktionen bei den Teilungen von Paddeln unterscheiden sich teilweise beträchtlich. KANU hat genau hingeschaut und die Teilungen auf Funktion und Verarbeitung überprüft.
Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
14.02.2008

Kaufberatung Doppelpaddel

Wie lang sollte ein Paddel sein? Welche Schränkung ist die richtige? Sind Carbonpaddel so viel besser wie sie teurer sind? Und werden teilbare Paddel nur für Faltbootfahrer gebaut? Die Suche nach dem perfekten Paddel ist ebenso komplex wie die Wahl des richtigen Kajaks und lässt sich nicht mit einer einfachen Faustformel berechnen.
Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
14.02.2008

Acht Wildwasserpaddel im Praxischeck

Vorgestellt: Acht Paddel für den Einsatz im Wildwasser.
Foto zur Kaufberatung Doppelpaddel.
14.02.2008

14 Touringpaddel im Praxischeck

Vorgestellt: 14 Paddel für den Bereich Kajak-Touring.

Zusätzliche Informationen und Links

News

16.07.2014

Falk Bruder von der 20. Internationalen Elbefahrt

Nach einer vierjährigen Pause kehrt in diesem Jahr die ...
08.07.2014

Termine: »Kanu on Tour 2014«

Auch in diesem Jahr zieht ein speziell geschultes Team im Rahmen ...
08.07.2014

Lebensgefahr am Pitzbach – Eisenträger freigelegt

Gemein und richtig gefährlich: Auf der Standardstrecke des ...

Gebrauchtmarkt-Ticker

Aktuelle Veranstaltungen

z
Juli 2014
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031   
w